„Wozu brauchst du allein drei Wohnungen? Überschreibe eine meinem Kolenka, die zweite der Lentschka. Das Gut soll doch nicht ungenutzt herumliegen“, verfügte die Schwiegermutter.

„Wozu brauchst du allein drei Wohnungen? Überschreibe eine meinem Kolenka, die zweite der Lentschka. Das Gut soll doch nicht ungenutzt herumliegen“, verfügte die Schwiegermutter.

„Wozu brauchst du allein so viele Wohnungen? Ihr solltet eine auf Kolenka überschreiben, die zweite auf Lentschka. Das Gut soll doch nicht ungenutzt bleiben.“

Galina Pawlowna sagte dies so beiläufig, als würde sie darum bitten, das Brot weiterzureichen. Ihre pummeligen Hände verteilten weiterhin den Olivier-Salat auf die Teller, und ihre Stimme klang alltäglich, fast zärtlich.

Am Tisch trat Stille ein. Wiktorija erstarrte, die Gabel auf halbem Weg zum Mund. Sie blinzelte, überzeugt davon, sich verhört zu haben. Aber die Schwiegermutter war bereits zum nächsten Punkt übergegangen — sie legte ihrem Sohn eine Serviette hin, schenkte ihrer Tochter Kompott nach —, als wäre nichts Besonderes geschehen.

Der Erste, der aus der Starre erwachte, war Kolja. Der jüngere Bruder ihres Mannes lehnte sich zurück und lächelte breit:
„Oh, und wann kann man sich mein neues Zuhause ansehen? Ich würde gerne vor dem Sommer mit der Renovierung anfangen.“

Wiktorija warf einen Blick auf Dmitri – er saß unbeweglich da, die Kiefer zusammengepresst. Lena, die Schwester ihres Mannes, flüsterte bereits angeregt ihrer Mutter etwas ins Ohr.

Nur Wiktorija schwieg, weil ihr plötzlich die Kehle austrocknete und in ihrer Brust genau das vergessene Gefühl aufstieg: wenn jemand versucht, dir alles wegzunehmen, was du mühsam Stein für Stein aufgebaut hast.

Drei Jahre vor diesem Abendessen stand Wiktorija mit zwei Koffern und einem zerbrochenen Telefon vor der Tür eines gemieteten Zimmers. Ihr Ex-Mann Sergej hatte sich nicht einmal verabschiedet – er hatte einfach die Schlösser ausgetauscht und eine neue Freundin mit nach Hause gebracht, während Wika bei ihrer Mutter in einer anderen Stadt war.

„Wie meinst du das mit ‚komm nicht zurück‘?“, hatte sie damals in den Hörer gefragt, noch immer ungläubig. „Serjoscha, das ist doch unsere Wohnung.“

„Meine Wohnung“, antwortete er gleichgültig. „Hol deine Sachen aus dem Flur, ich habe sie rausgestellt.“

Sie holte sie. Sie stand im Treppenhaus mit den Tüten, in denen ihr ganzes Leben aus sieben Ehejahren Platz fand. Keine Arbeit, keine Ersparnisse, kein Zuhause.

Ihre Freundin Marina hatte ihr damals Tee eingeschenkt und direkt gesagt:
„Wika, du bist klug. Du wirst es schaffen. Aber bring dich nie wieder in eine solche Lage.“

Und Wiktorija hörte auf sie – nicht auf die Freundin, sondern auf ihre eigene Angst. Sie nahm zwei Jobs gleichzeitig an. Tagsüber Buchhaltung in einer Baufirma, abends freiberufliche Projekte in der Finanzbuchführung. Sie sparte an allem: Sie nahm ihr Mittagessen in selbst mitgebrachten Behältern mit, ging zu Fuß statt ein Taxi zu nehmen, verzichtete auf jeden Kauf, der nicht absolut notwendig war. Sie legte jeden freien Rubel zur Seite.

Ein Jahr später starb ihre Großmutter. Die alte Sinaida Timofejewna schlief friedlich ein und hinterließ ihrer einzigen Enkelin eine Dreizimmerwohnung in einem Wohnviertel. Wiktorija saß damals lange in den leeren Zimmern, in denen es nach Großmutters Kuchen und Baldrian roch. Und dann traf sie eine Entscheidung. Sie verkaufte die Dreizimmerwohnung, kaufte eine gemütliche Zweizimmerwohnung für sich selbst und ein kleines Studio zur Vermietung. Später nahm sie eine Hypothek für eine Einzimmerwohnung auf – und zahlte diese in anderthalb Jahren ab, weil sie daran gewöhnt war, diszipliniert zu leben und jeden Cent umzudrehen.

Die zwei Wohnungen brachten ein stabiles Einkommen. Und in der hellen Zweizimmerwohnung mit der großen Küche und dem warmen Balkon fühlte sich Wiktorija endlich zu Hause.

Genau in dieser Zeit erschien Dmitri. Ein ruhiger, lächelnder Mann, der keinen Druck ausübte und nichts überstürzte. Nach der Hochzeit zog er zu ihr, und am allerersten Abend sagte Wika ehrlich:
„Dima, die Wohnungen sind meine Versicherung. Ich habe für sie nicht nur mit Geld bezahlt, sondern auch mit meinen Nerven und meiner Gesundheit. Ich muss wissen, dass ich Boden unter den Füßen habe.“

Er umarmte sie, küsste sie auf den Scheitel und antwortete leise:
„Ich bewundere dich. Du bist stärker als jeder andere, den ich kenne.“

Damals konnte Wiktorija zum ersten Mal seit langer Zeit aufatmen.

Anfangs war das Verhältnis zur Familie von Dmitri unkompliziert. Galina Pawlowna nahm die Schwiegertochter herzlich auf, bewirtete sie mit Kuchen und fragte sie über ihre Arbeit aus. Stolz erzählte sie den Nachbarinnen:
„Meine Schwiegertochter ist eine Geschäftsfrau. Alles selbst erreicht, alles mit eigenen Händen.“

Wika lächelte und half der Schwiegermutter bei der Badrenovierung – sie gab Tipps, wo man Fliesen günstiger kaufen konnte und welchen Handwerker man rufen sollte. Es schien, als hätten sie eine gemeinsame Sprache gefunden.

Doch allmählich bekamen die Gespräche einen anderen Unterton.

Einmal beim Tee erkundigte sich Galina Pawlowna wie beiläufig:
„Wikulja, und wie viel zahlen dir die Mieter für das Studio? Zwanzig? Fünfundzwanzig?“

„Das ist nicht so wichtig“, wich Wiktorija sanft aus.

„Nun, ich bin doch keine Fremde, ich bin einfach nur neugierig“, lächelte die Schwiegermutter.

Dann fragte Kolja bei einem Treffen plötzlich:
„Wik, steht die Einzimmerwohnung bei dir gerade leer oder ist sie vermietet? Ich schaue mich nämlich gerade nach Möglichkeiten um, alleine zu wohnen, ich habe es satt, bei Mama zu sein…“

Auch Lena schaltete sich ein. Bei einem Familienessen lachte sie und warf über den Tisch hinweg ein:
„Gut, so einen Mini-Immobilienmakler in der Familie zu haben! Vielleicht gibst du den Verwandten ja einen Rabatt?“

Alle lachten. Wiktorija lächelte ebenfalls, aber in ihrem Inneren zog sich etwas zusammen.

Den wahren kalten Schauer über den Rücken spürte sie eine Woche später. Wika ging in die Küche der Schwiegermutter, um etwas Wasser zu holen, und hörte hinter der nicht ganz geschlossenen Tür die leise Stimme von Galina Pawlowna:
„Na und, was ist schon dabei, Lena? Sie hat ohnehin zu viel Wohnraum. Wir sind doch eine Familie. Solche Fragen sollte man familiär klären.“

„Mama, schlag es ihr doch vor“, antwortete Lena. „Nur vorsichtig. Sonst stellt sie sich stur.“

Wiktorija wich leise in den Flur zurück. Ihre Hände wurden kalt. Sie kannte dieses Gefühl – diese klebrige, vertraute Unruhe. Genau so hatte es in ihrer ersten Ehe angefangen: Zuerst war alles gemeinsam, und dann stellte sich heraus, dass dem gar nicht so war.

In dieser Nacht lag sie lange schlaflos da und starrte an die Decke. Dmitri schlief neben ihr, und sein gleichmäßiger Atem beruhigte sie aus irgendeinem Grund nicht.

Ein paar Wochen später rief Galina Pawlowna mit einer Einladung an:
„Kommt am Samstag zum Abendessen. Wir sitzen einfach in familiärer Runde zusammen, ich brate Koteletts.“

Wiktorija stimmte zu, obwohl sich in ihrem Inneren alles vor Vorahnung zusammenzog. Sie hoffte, dass sie sich irrte.

Am Samstag roch die Wohnung der Schwiegermutter nach gebratenem Fleisch und Dill. Auf dem Tisch standen Koteletts, eine Schüssel Olivier-Salat und eine Karaffe mit hausgemachtem Kompott. Galina Pawlowna wuselte herum, verteilte die Plätze, bot Nachschlag an. Das Gespräch floss gewohnt dahin – über Koljas Arbeit, die schulischen Probleme von Lenas Sohn, das Wetter.

Und dann legte die Schwiegermutter den Löffel beiseite, blickte in die Runde und sprach in jenem alltäglichen Tonfall, der Wiktorija den Atem raubte:
„Ich habe nachgedacht. Wozu brauchst du, Wika, allein drei Wohnungen? Lass uns das menschlich regeln – überschreibe eine Wohnung dem Kolenka, die zweite der Lentschka. Das Gut soll doch nicht ungenutzt herumliegen…“